Zentrale Aussagen Eugen Rosenstock-Huessys zu den vier Evangelisten


Auszug aus dem «Winterbrief 2009» der ERH-Gesellschaft


Zu Matthäus:

„Das Evangelium des Matthäus ist eine Abschiedsrede, ein letzter Versuch, Jerusalem davon zu überzeugen, daß sie den Gerechten getötet habe, weil die Juden nicht mehr die Geduld hatten, einen radikalen Wandel in den Methoden zu erwarten, mit denen Gott die Welt regiert.“

Eugen Rosenstock-Huessy, Die Sprache des Menschengeschlechts,Bd. II, Seite 820 oben
(ausgewählt von Lothar Mack)

 

Zu Markus:
„Markus kniet in Petrus’ Gottesdienst. Petrus ist für ihn die letzte Autorität. Am Ende seines Evangeliums erkennt er, dass er, Markus, auf Petrus nicht bauen könne, so wenig wie auf irgendeinen anderen sündigen Menschen. Markus (...)  gewann genügend Mut seine Aufgabe als handlanger des Petrus zu überschreiten. (…) Die Kirche konnte nur entstehen, wenn ein Einziger seinen Namen ihrem Leibe gab. Und Markus ging nach Alexandria im Geiste Gottes, nicht in dem des Petrus.“

Eugen Rosenstock-Huessy, Die Sprache des Menschengeschlechts, Bd. II, Seite 837, 3ter Absatz

 

Over Marcus:
“Marcus knielt gehoorzaam voor Petrus. Voor hem heeft Petrus het hoogste gezag. Aan het eind van zijn evangelie weet hij dat hij, Marcus, op Petrus net zo weinig bouwen kan als op welke zondaar ook. Marcus (…) kreeg tenslotte de moed uit te stijgen boven zijn functie van rechterhand van Petrus. (…) De kerk kan alleen dan één zijn, als er slechts Eén is die de naam geeft aan het lichaam van de kerk. Zo ging Marcus in Gods geest naar Alexandrië, niet in Petrus’ geest.”

Eugen Rosenstock-Huessy, Vrucht der Lippen, pag. 51, 4e alinea.
(ausgewählt von Wilmy Verhage)

 

 

Zu Lukas:

"Lukas war der erste Mann, der damit ausgezeichnet wurde, dass er diesen Wandel in der Bedeutung des Geistes in einem Zweiphasenbuch darstellen durfte. In seinen beiden Bänden wird gezeigt, wie der Geist sich über die Geister erhebt. Über den Genius von Christi eigenem Gang durch Judäa und über den Genius in den Handlungen des apostolischen Zeitalters wird so berichtet, dass es sich um die Facetten des einen Geistes handelt. (...)
Jeder große Historiker nach Lukas hat eine Mehrheit von Zeitgeistern zugestanden und den Versuch unternommen, den einen Geist durch sie alle hindurch scheinen zu lassen. Thukydides hat das noch nicht gekonnt und Livius noch weniger."

Eugen Rosenstock-Huessy, Die Sprache des Menschengeschlechts, Bd. II , S. 829, 2ter Absatz
(ausgewählt von Jürgen Müller)

 

 

Zu Johannes:
„Aber Johannes, der keine äußeren Bezeugungen oder Ereignisse nötig hatte, um seinem Freund Glauben zu schenken, gewann den Anhaltspunkt für sein Schreiben aus der Ewigkeit Gottes, der dem Sohn den Sieg über die losen Kreisläufe des Rituals, der Aionen und Revolutionen über Romane und Mysterien gab. Der Abgrund der Zeiten schließt sich bei Johannes. Er beginnt mit dem Schritt, der nur durch die Kraft des Wortes vollbracht wird, mit seinem Indicativus aeternus «Im Anfang war das Wort». Und so wird Jesus als die Freiheit zum Neuanfang ausgewiesen.“

Eugen Rosenstock-Huessy, Die Sprache des Menschengeschlechts, Bd. II , S. 881
(ausgewählt von Andreas Schreck)

 

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