Rundbrief Dezember 2012

Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft e.V.

 


Heraklit zu Parmenides:

 

In jeder feurigen Verwandlung werden Tugenden zu Lastern, Laster zu Tugenden.
Deshalb ist meines Lebens „wird sein" nicht aus dem „ich war"
allmählich abzuleiten. (...)
„War", „ist", „wird sein" kannst Du weder als Kreis, noch als gerade Linie zusammenfügen.
Es sind drei entgegengesetzte Erscheinungen. Dazwischen liegen ausdrückliche Beerdigungen.

 

Eugen Rosenstock-Huessy, (Zurück in) Das Wagnis der Sprache, Seiten 73, 75

 

 

Brief an die Mitglieder 2/2012 Dezember 2012

 

Inhalt

1. Einleitende Worte Eckart Wilkens
2. Einladung Tagungsprogramm 22.-24. März 2013
3. Anmeldeformular zur Tagung Wilmy Verhage
4. Sabine Friedrich: Wer wir sind Thomas Dreessen
5. Mitgliederbeitrag Andreas Schreck/Wilmy Verhage
6. Adressenänderungen
7. Archiv Adresse

 

1. Einleitende Worte

 

Nachdem nun der Prozeß wegen der Kosten für die Soziologie-Ausgabe des Talheimerverlags nach einigen nachträglich Beunruhigungen vorüber ist und die dazugehörige Stille eingetreten ist, haben wir Zeit gewonnen, darüber nachzudenken, was der ganze Vorgang für uns zu bedeuten hat.

 

Dieser Zeitgewinn drückt sich darin aus, daß ich den vollständigen Briefwechsel zwischen Georg Müller und Eugen Rosenstock-Huessy abgeschrieben habe, die anderen Vorstandsmitglieder haben ihn ganz oder teilweise auch gelesen. Er reicht von 1948 bis 1972 (Eugens letzter Brief ist vom Herbst 1970).

 

Wir im Vorstand haben uns vergegenwärtigt, daß der Kern der Aufgaben der Eugen Rosenstock- Huessy Gesellschaft von 1963 die Anlage, Erweiterung und Pflege des Archivs in Bethel war.

 

Der gloriose Anspruch darüber hinaus wirkte sicher als vorauswehende Fahne, die damit angezeigte Begeisterung hat sich am ehesten anderweitig in den Tagungen in Gulpen und in der Spendenbereitschaft für die Soziologie gezeigt. Die Tagungen in Gulpen wirken noch nach (ähnlich wie das Pfingstfest in Haarlem 1973), die Soziologie-Herausgabe hat zu keinem erfreulichen Ergebnis geführt, jedenfalls wenn man den Kräfteaufwand von mehr als einem Jahrzehnt an dem Ergebnis mißt.

 

Und inzwischen entschwinden die von Eugen Rosenstock-Huessy selbst zur Mitgliedschaft bewegten Mitglieder, es ist nicht zu verkennen, daß von denen, die ihn nicht persönlich gekannt haben, keine solche Anziehungskraft für die seinen Namen tragende Gesellschaft ausgegangen ist (kein Wunder übrigens).
Seine Warnung vor Selbstlob und Selbstüberhebung, mit der er Georg Müller einschärfte, in den zehn Jahren bis 1973 (als sähe er das Datum seines Todes voraus) nicht zu veröffentlichen, was irgendwie danach aussehen könnte, daß die Eugen Rosenstock-Huessy zu Propagandazwecken gegründet worden, gilt nach wie vor.

 

Die Lebendigkeit von uns Menschen und doch wohl auch von Institutionen ermißt sich an der Sterblichkeit. Und von daher sollten wir nicht scheuen, uns der eigenen Lebendigkeit zu vergewissern, indem wir es wagen, die Frage der Sterblichkeit für die Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft e. V. zu stellen.

In der Satzung ist einfach von „der Wissenschaft" die Rede - zieht das nicht dem Bemühen, eine dritte Form der Hochschule (Respondeo etsi mutabor) anzuregen, wenn nicht schon zu leben in Frage?

 

So finden Sie also mit Thema und Programm der nächsten Jahrestagung zu Palmsonntag 2013 (kurz vor dem 50-jährigen Jubiläum der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft, die am Geburtstag 6. Juli gegründet wurde) diese wichtige Frage vordringlich.

 

Eckart Wilkens

 

2. Programm der nächsten Tagung in Haus Salem Bethel/Bielefeld, 22 - 24 März 2013

 

Thema:
50 Jahre ERH-Gesellschaft: Am Scheideweg

 

Ist mit der Verlagerung des Archivs im Jahre 2012 der Kern dessen erfüllt, was die Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft 1963, als sie gegründet wurde, sich vorgenommen hatte? Welche Aufgabe kann jetzt an diese Stelle treten?
Muß sie, um damit wirken zu können, ihren Namen ändern?

 

Für diese Frage ziehen wir Eugen Rosenstock-Huessys Schrift Die Interims des Rechts1, November 1964 zurate

 

 

1 Der Text bekommen Sie nach Anmeldung per E-mail oder per Post.

 

Freitag, 22. März 1913,

 

16-18 Uhr Ankunft

18 Uhr Abendessen

19. 30 Uhr Begrüßung und gemeinsame Lektüre der Interims des Rechts 1964 ` (ohne Diskussion an diesem Abend)

20.30 Uhr Andreas Möckels Zeugnis von dem Wirken Eugen Rosenstock-Huessys in seinem Leben

 

Samstag, 23 März 2013,

 

8:30 Uhr Frühstück

9.30 Uhr PRÄJEKTIV: Vergegenwärtigung der drei Stimmen in den Interims des Rechts: das alte Recht, der Protest, die Lossagung, Gesprächsführung: Andreas Schreck

11:00 Uhr Pause

 

11.15 Uhr SUBJEKTIV: Was bedeutet das für uns? Gesprächsführung: Thomas Dreessen

12:15 Uhr Mittagessen

 

14.30 Uhr Otto Kroesens Zeugnis von dem Wirken Eugen Rosenstock-Huessys in seinem Leben

Feico Houwelings Zeugnis von dem Wirken Eugen Rosenstock-Huessys in seinem Leben

16.00 Uhr Pause

 

16.30 Uhr TRAJEKTIV: Das Mit- und Auseinander der deutschen, niederländischen und amerikanischen Gruppen, die sich zu dem Erbe Eugen Rosenstock-Huessys bekennen, Gesprächsführung: Wilmy Verhage

18:00 Uhr Abendessen

 

19:30 Uhr Mitgliederversammlung der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft e. V 2013 am neuen Standort des Eugen Rosenstock-Huessy Archivs,

Adresse: Bethelplatz 2, Bielefeld


mit dem ersten Teil: Begrüßung, Verlesung des Protokolls von 2012, Bericht des Vorsitzenden Eckart Wilkens

 

danach Auszug nach Haus Salem, Bodelschwinghstr. 181, Bielefeld-Bethel.
und Fortsetzung der Mitgliederversammlung mit Zeit für die Stimmen der Mitglieder

 

Sonntag, 24 März 1913

 

7:30 Uhr Andacht in der Kapelle (Otto Kroesen)

8:30 Uhr Frühstück

9.30 Uhr Simon Wilkens ́ Zeugnis von dem Wirken Eugen Rosenstock-Huessys in seinem Leben

11.00 Uhr Pause

 

11.15 Uhr OBJEKTIV: Aussprache, wie es, nach der Wahl des neuen Vorstands, mit der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft weitergehen soll, Gesprächsführung: der oder die neue Vorsitzende

12.15 Uhr Mittagessen

13.15 Uhr Abschied

 

3. Anmeldeformular zur Tagung, 22. - 24. März 2013

 

Name(n):
Übernachtung und Verpflegung von Freitag, 22 bis Sonntag, 24 März 2013

  • Einzelzimmer: 110€
  • Doppelzimmer p. P. :  100€
  • Tagesgast: 50€
  • Vegetarisches Essen
  • eventuelle Allergien:

NB. Mit eigener Nasszelle sind nur drei Zimmer ausgestattet und kosten € 5,extra.


Bettwäsche 5 € (oder selber mitbringen). Handtücher bitte mitbringen oder für 0,50 € vom Haus. Ermäßigungen kann das Haus Salem nicht gewähren.
Interessenten, die aus finanziellen Gründen von einer Teilnahme absehen müssten, wenden sich bitte an den Vorstand. Er wird - wie in den vergangenen Jahren - eine Lösung finden.


Adresse: Haus Salem, Begegnungs- und Tagungsstätte, Bodelschwinghstr. 181, 33617 Bielefeld-Bethel.
Telefon Büro 0521-144-2486.
E-Mail: salem.haus [at] t-online.de - Telefon für Gäste 0521-144-2929.
Internet www.salem-bethel.de.


Bitte Ihr Anmeldungsformular senden an Wilmy Verhage: E-Mail:WVerhage [at] xs4all.nl
Brief: Wilmy Verhage, Olympiaplein 32 A 1, 1076 AC Amsterdam, Nederland

 

4. Sabine Friedrich: Wer Wir sind

 

Vor drei Tagen ging ich zu meinem Buchhändler und frug, ob es eine neue Darstellung gäbe der Menschen und Gruppen, die ihr Leben eingesetzt haben für die Überwindung des Nationalsozialismus. Er legte mir einen dicken, sehr dicken Roman auf den Tisch in der Leseecke: Wer Wir sind!


Ich schlug das über 2000 Seiten starke Buch auf und fing an zu lesen und zu lesen und zu lesen - und hörte erst nach drei Tagen damit auf. Fasziniert, gebannt, gerührt, betroffen, erschreckt, bewundernd, wurde ich Zeitgenosse dieser Männer und Frauen. Sabine Friedrich ist es gelungen sie mir ganz nahe zu bringen, ganz in mein Leben hineinzuholen, so wie es sich der 1943 ermordete Julius Fucik gewünscht hat:


„Eines Tages wird das Heute Vergangenheit sein, wird man von der großen Zeit und den namenlosen Helden sprechen, die Geschichte gemacht haben. Ich möchte, daß man weiß: daß es keinen namenslosen Helden gegeben hat, daß es Menschen waren, die ihren Namen, ihr Gesicht, ihre Sehnsucht und ihre Hoffnungen hatten, und daß deshalb der Schmerz auch des letzten unter ihnen nicht kleiner war als der Schmerz des ersten, dessen Name erhalten bleibt. Ich möchte, daß sie Euch alle immer nahe bleiben, wie Bekannte, wie Verwandte, wie ihr selbst."


Frau Friedrich hat uns Deutschen mit diesem Roman die Türen der Erinnerung weit geöffnet und gemeinsame Erinnerungssprache geschenkt Wer wir Deutschen sind. In ihrem Werkstattbericht, der als eigenes Buch erschienen ist, lädt sie uns ein, ihren sechsjährigen Entdeckungsweg mitzugehen. Ja, ich traue mich zu sagen: Es ist ihr gelungen uns Vorfahren zu geben, denen wir vertrauen können, weil sie bereit waren zu ihren Worten zu stehen - auch wenn es ihr Leben kostete in jener Zeit, die die Hölle war.


Sie kamen aus sehr verschiedenen Teilen des deutschen Volkes: Männer und Frauen, Arbeiter, Bürger, Adelige, Soldaten, Christen, Atheisten, Sozialisten, Kommunisten, Studenten, Jugendliche. Sie sind sehr verschiedene Wege gegangen - allein und gemeinsam. Sie sind auch verschieden weit gekommen. Aber - sie verkörpern unschätzbare Erfahrungen und Orientierungen für uns auf der Suche nach dem zukünftigen Leben.


Ich erlebte in diesen Tagen ihre Hoffnungen und ihr Zweifeln, ihr Irren und ihr Lernen, ihre Niederlagen und Ängste als ob ich selber dabei gewesen war. Ich spürte ihre Liebe zueinander und zum deutschen Volk und ihren wachsenden Glauben an eine gemeinsame Zukunft der Völker auf dieser Erde.


Ohne Erinnerung an diese Vorfahren werden wir die Kraftlosigkeit und Dekadenz unserer Zeit nicht überwinden! Ohne diese Erinnerung werden wir nicht die lebenzerstörenden Mächte unserer Zeit überwinden: nicht die zum Gott erhobene Wirtschaft und nicht die verantwortungslose Wissenschaft
In unserer Zeit der NSU Morde und des wachsenden Nationalismus in Deutschland und Europa kommt dieses Buch wie ein Geschenk Gottes. Danke Sabine Friedrich


14.12.2012


Thomas Dreessen

 

http://www.wer-wir-sind.de/literaturliste.cfm

 

5. Mitgliederbeitrag 2013


Die „Selbstzahler" unter den Mitgliedern werden gebeten, den Jahresbeitrag in Höhe von 40 Euro (Einzelpersonen) auf das Konto Nr. 6430029 bei Sparkasse Bielefeld (BLZ 48050161) zu überweisen.


Trotz Einführung des einheitlichen Zahlungssystem SEPA mit der Internationalen Kontonummer (IBAN): DE43 4805 0161 0006 4300 29
SWIFT-BIC: SPBIDE3BXXX
kann für Inlandsüberweisungen die bisherige Kontoverbindung weiterhin verwendet werden. Die Abbuchung der Beiträge 2012 ist kürzlich erfolgt

 

Für Mitglieder in den Niederlanden steht das Kontonummer Girorekening 1877673, Mevrouw
W.A.Verhage inzake Eugen Rosenstock-Huessy Genootschap zur Verfügung.

 

6 . Adressenänderungen


Bitte schreiben sie eine eventuelle Adressenänderung schriftlich oder per E-mail an Wilmy Verhage, sie führt die Adressenliste.

 

7. Archiv der Eugen-Rosenstock-Huessy Gesellschaft:
c/o Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen Bethelplatz 2, D- 33617 Bielefeld
Telefon: 0521 594-164
Telefax: 0521 594-267
www.archiv-ekvw.de

 

PrintEmail