Rundbrief Januar 2011

Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft e.V.


Nach der Kirche und nach der Staatenwelt
ist die weltweite Gesellschaft entstanden, die alle Grenzen sprengt.
„TOCHTER Gesellschaft“ ist sie getauft worden,
denn die Tochter ist der Weg zurück in die Schöpfung,
nachdem Mannesgeist uns ihrer Nähe entfremdet hat.


Eugen Rosenstock-Huessy, Nachwort zu Die Tochter/Das Buch Rut, S. 45


Brief an die Mitglieder 1/2011                                                                                           Januar 2011


Inhalt

1. Einige einleitende Zeilen Eckart Wilkens
2. Programm der nächsten Tagung in Haus Salem Bethel/Bielefeld 15. – 17. April 2011
„Die Hochzeit des Kriegs und der Revolution“
Eckart Wilkens
3. Anmeldeformular der Tagung 15. – 17. April 2011 Wilmy Verhage
4. Anzeige zweier neuer Bücher zu Freya von Moltke Andreas Schreck
5 Information zu Rosenstock-Huessy im Internet Jürgen Müller
6. Ein Wort zu den Reaktionen auf den Anhang zum letzten Rundbrief Thomas Dreessen
7. Gemeinsamer Dienst auf den Planeten, ein Brief von Januar 2011 Thomas Dreessen
8. Mitgliederbeitrag Wilmy Verhage/
Andreas Schreck
9. Adressenänderungen


1. Einige einleitende Zeilen
Die Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft e. V. ist dabei, aus dem Ungefähren ins Deutliche zu treten: der Talheimer Verlag hat Klage vor dem Landgericht Köln erhoben, sich auf den Vertrag von 1997 berufend, der mit der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft geschlossen wurde – und nun geht es ganz praktisch darum, ob sie weiterexistieren kann. Denn wenn die Klage Erfolg hat, müßte die Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft e. V. wohl Insolvenz anmelden. Man könnte versucht sein, diesen Vorgang juristisch gewissermaßen zu beschwichtigen, indem die formale Seite hervorgekehrt und entsprechende Erwartungen geknüpft würden, auf beiden Seiten. Dieser Versuchung sollten wir nicht erliegen: es geht tatsächlich um die Existenz. Denn wenn die Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft e.V., die von dem Kläger jahrelang als Gegenstand behandelt wurde, indem es kein Gespräch gab, jeder Versuch einer Zusammenarbeit mit gestanzten Phrasen erstickt wurde, und sie in dieser Gegenständlichkeit, d. h. in ihrem Totsein, bestätigt würde, ist sie wirklich tot, dann hat sie die vierte Station ES erreicht: es war einmal.

Die Soziologie-Edition, um die es ja geht, steht unverändert da. Wir werden mit Macht dazu gedrängt, die Frage zu stellen, wie die Lehre Eugen Rosenstock-Huessys lehrbar wird. Jedenfalls nicht, indem seine Werke neu gedruckt werden (s. dazu auch der Verkaufsbericht des Eugen Rosenstock-Huessy Funds!). Er selber hat jeden von uns gerufen, die neue Lehre erst dann weiterzusagen, wenn sie durch die eigene Erfahrung bewährt ist. Und dann mit der lebendigen, von Herzen kommenden Sprache, wie sie der Augenblick, das heißt der empfangende Hörer hervorbringt.

Die Tagung Freitag vor Palmsonntag bis Palmsonntag entspricht der geschilderten Lage. Sie will an das Matrix-Datum für Eugen Rosenstock-Huessy heranführen, den 9. November 1918, indem wir einige Kapitel aus dem ersten Werk im Stil des „Abbaus der politischen Lüge“ mit der jeweils eigenen Erfahrung verbinden wollen, aus der „Hochzeit des Kriegs und der Revolution“ von 1920.

Eckart Wilkens

2. Programm der nächsten Tagung in Haus Salem Bethel/Bielefeld 15. – 17. April 2011

Freitag, 15. April 2011
16-18 Uhr
Ankunft
18 Uhr Abendessen
19. 30 Uhr Einführung in das Thema: Was wenn die Hörer nicht da sind (Eckart Wilkens)

Samstag, 16. April 2011
8:30 Uhr
Frühstück
9:30 Uhr Das Kapitel Die Tochter* (Wilmy Verhage)
11:00 Uhr Pause
11:15 Uhr Das Kapitel: Goethe und Bismarck* (Andreas Schreck)
12:30 Uhr Mittagessen
15:00 Uhr Das Kapitel. Ehrlos – heimatlos* (Jürgen Müller)
17:00 Uhr Pause
17:15 Uhr Gemeinsames Gespräch (Eckart Wilkens)
18:30 Uhr Abendessen
19:30 Uhr Mitgliederversammlung der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft e. V 2011


*Alle vier Texte werden nach Anmeldung per E-mail oder per Post verschickt.

Sonntag, 17 April 2011
7:30 Uhr
Andacht in der Kapelle
8:30 Uhr Frühstück
9:30 Uhr Das Weihnachtsgedicht für Margrit Weihnachten 1917* (Thomas Dreessen)
11.00 Uhr Pause
11.15 Uhr Gemeinsames Gespräch (Eckart Wilkens)
12.30 Uhr Mittagessen
13.30 Uhr Abschied

3. Anmeldeformular zur Tagung, 15. – 17. April 2011
Name(n):
Übernachtung und Verpflegung von Freitag, 15. April, bis Sonntag, 17 April 2011
0 Einzelzimmer
110 Euro
0 Doppelzimmer p. P. 95 Euro
0 Tagesgast 50 Euro

0 Vegetarisches Essen
0 eventuelle Allergien:

NB. Mit eigener Nasszelle sind nur drei Zimmer ausgestattet. Bettwäsche 5 € (oder selber mitbringen). Handtücher bitte mitbringen oder für 0,50 € vom Haus.

Ermäßigungen kann das Haus Salem nicht gewähren. Interessenten, die aus finanziellen Gründen von einer Teilnahme absehen müssten, wenden sich bitte an den Vorstand. Er wird – wie in den vergangenen Jahren – eine Lösung finden.

Adresse: Haus Salem, Begegnungs- und Tagungsstätte, Bodelschwinghstr. 181, 33617 Bielefeld-Bethel. Telefon Büro 0521-144-2486. E-Mail: salem.haus (at) t-online.de – Telefon für Gäste 0521-144-2929.
Internet www.salem-bethel.de.

Bitte Ihr Anmeldungsformular senden an Wilmy Verhage:
E-Mail: WVerhage (at) xs4all.nl
Brief:  Mevrouw Drs Wilmy Verhage, Olympiaplein 32A1, 1076 AC Amsterdam, Nederland


Wilmy Verhage

4. Anzeige zweier neuer Bücher zu Freya von Moltke
Im Januar 2011 sind zwei Bücher von ganz außerordentlicher Bedeutung erschienen, die jeweils eine eingehende Würdigung verdienen und die die Freunde Eugen Rosenstock-Huessys ansprechen:
1. Helmuth James und Freya von Moltke: Abschiedsbriefe Gefängnis Tegel September 1944 – Januar 1945. Herausgegeben von Helmuth Caspar von Moltke und Ulrike von Moltke. Verlag C.H. Beck, München 2011, 608 Seiten, ISBN 978-3-40661375-3; € 29,95
2. Frauke Geyken: Freya von Moltke. Ein Jahrhundertleben 1911 – 2010. Verlag C.H. Beck, München 2011, 288 Seiten, ISBN 3-406613837, € 19,95


Andreas Schreck

5. Information zu Rosenstock-Huessy im Internet
Im Internet findet man immer wieder neu Information zu Rosenstock-Huessy. Einige dieser mehr oder weniger aktuellen Funde seien hier erwähnt.

Hier eine Kurzbiographie von Hans-Christof Kraus über Eugen Rosenstock-Huessy
(http://www.deutsche-biographie.de/artikelNDB_n22-075-01.html),
ein Eintrag über seinen Vater (http://www.deutsche-biographie.de/xsfz108210.html),
seine Schwester (http://www.deutsche-biographie.de/xsfz108212.html)
und über Freya van Moltke (http://www.ich-biographieberatung.de/?p=1989)

Reinhard Zimmermann schrieb einen Nachruf auf Harold Berman und bezieht sich auch auf Rosenstock-Huessy:
http://www.law.emory.edu/fileadmin/journals/elj/57/57.6/Zimmermann.pdf

In der Webpräsenz des niederländischen Respondeo-Vereins (http://rosenstock-huessy.nl/) befindet sich (auf Niederländisch) die Auszeichnung (http://www.rosenstock-huessy.nl/nieuws/index.html), die Wim und Lien Leenman von der Stadt Harlem für ihre Arbeit im Rosenstock-Huessy-Huis empfangen haben.

Der digitale Text: Franz Rosenzweig: Stern der Erlösung: (http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/310/) ist gratis zugänglich.

Auf der deutschen Wikipedia befinden sich inzwischen viele Artikel die sich auf Rosenstock- Huessy beziehen. Einige Beispiele: http://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_Imshausen
http://de.wikipedia.org/wiki/Artur_von_Machui
http://de.wikipedia.org/wiki/Boberhaus
http://de.wikipedia.org/wiki/Bas_Leenman


Auf einer automatisch erstellten Webseite der Wikipedia findet man eine Auflistung aller Seiten, die auf den Beitrag Eugen Rosenstock-Huessy verweisen. Die Liste enthält viele Hilfsseiten der Wikipedia. Zwischendurch sind allerdings auch die echten Lexikonbeiträge zu finden:
(http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Spezial:Linkliste/Eugen_Rosenstock- Huessy&limit=500)

Die Wochenzeitung die Zeit hat historische Artikel im Internet zugänglich gemacht:
http://www.zeit.de/1959/17/die-massstaebe-der-universitaet-werden-in-frage-gestellt
http://www.zeit.de/1971/39/die-odyssee-des-mark-huessy

Die Übersicht der Dissertation von Frank Surall über Franz Rosenzweig im Bezug zu u.a. Rosenstock-Huessy:
(http://www .ev-theol.uni-bonn.de/fakultaet/sozialethik/surall/dissertation-surall)

Ein Gespräch von Roland Wehl mit Freya von Moltke aus dem Jahre 1994: (http://www.freiheitliche-demokratie.de/30-31-94.doc.html).
Ein Essay von August Hermann Winkler, der sich auf Rosenstock-Huessys Interpretation von Luther bezieht:
(http://www.welt.de/welt_print/article2134684/Die_Deutschen_und_die_Freiheit.html)

Stephan Grätzel erwähnt in seinem Beitrag: "Hans Urs von Balthasar und das Dialogische Denken"
http://www.balthasar-stiftung.org/images/1_JG_10_Graetzel_20100619.pdf das Fehlen jedes Bezug zu Rosenstock-Huessy im Werk von von Balthasar.

Empfehlenswert sind drei Essays in englischer Sprache, die Rosenstock-Huessy vorstellen:

  • der Philiosophielexikoneintrag unseres Mitglieds Wayne Cristaudo in der Stanford Encyclopedia of Philosophy:
    (http://plato.stanford.edu/entries/rosenstock-huessy/),
  • sowie zwei Essays von Peter Leithart:
    The Relevance of Eugen Rosenstock-Huessy (http://www.firstthings.com/onthesquare/?p=786) und
    The Cross of Eugen Rosenstock- Huessy (http://www.credenda.org/index.php?option=com_content&view=article&id=87).


Das Internet und seine Möglichkeiten symbolisieren wie kein anderes Medium das von Rosenstock-Huessy frühgesehene Zusammenwachsen zu einer Welt. Es ermöglicht die weltweite Kommunikation von Einem an Viele, der Intention nach an Alle.

Von den frühen Diensten des Internets ist hauptsächlich noch die elektronische Post (Email) geblieben. Das Web (WWW) hat vielen anderen Internet-Diensten den Rang abgelaufen. In den letzten Jahren haben sich Internet-Telefonie (VOIP) und die Kurznachrichten in Echtzeit (Instant Messaging) etabliert. Zur Zeit wird an weltweiten Videokonferenzen gearbeitet.

Innerhalb des Web sind Videodienste (z.B. Youtube), soziale Netzwerke (z.B Facebook und LinkedIn) und das Kurznachrichtenbroadcasting (Twitter) populär geworden.

Die Endgeräte haben sich von Bürocomputern zu Konsumentencomputern (PC) zu Mobiltelefonen (Smartphones), Fernsehgeräten und Stereoanlagen weiterentwickelt. Weitere Geräte sind Haushaltsapparate, Autos und technische Maschinen aller Art. Nächste Anwendungen werden von selbstständigen, weltweit vernetzten Sensoren (Internet of things) Gebrauch machen können.

Um die nächsten Schritte zu veranschaulichen möchte ich ein Element der industriellen Planung nennen. Man erwartet, daß ein Mobilgerät („Handy“) im Jahre 2018 80 Jahre Film/Video speichern kann.

Aus Anwendungssicht bedeutet dies, daß sie die Videokameras an Ihrer Brille nicht mehr explizit ein und ausschalten müssen. Alle Gespräche und Begebenheiten werden entsprechend ihres Ortes, bezüglich der Zeit, der involvierten Personen, des Gesprächsthemas und weiterer Situationscharakteristikas automatisch indexiert und können so bei Bedarf einfach in der Brille nachgesehen werden. Wo immer Sie sich gerade befinden stehen Ihnen spezielle Schichten zu Verfügung, die sie bei Bedarf Ihrem Gesichtsfeld hinzufügen können. Die aktuelle Sicht können Sie durch geschichtliche Epochen oder nützlichen Informationen wie Eigentumsverhältnisse, eventuelle Kaufoptionen und -bewertungen in Form von Text, Skizzen oder auch Video anreichern (Augmented Reality). Neben dem schon etablierten Fernsehen wird Ihnen dadurch die Möglichkeit erweiterten Nahsehens basierend auf privater, kommerzieller oder öffentlich- rechtlicher Bearbeitung geboten. Erfahrungen und Ratschläge von Freunden und Experten können Sie ebenso einblenden.

Aus dem allem stellt sich nun die Frage wie wir als Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft mit dem Internet umgehen wollen. Für die Webpräsenz besteht die Gefahr zu einer Ansammlung von eingefrorenen, „spontanen“ Neuigkeitsmitteilungen zu verkommen. Eine informelle Facebook-Gruppe zu Rosenstock- Huessy mag dazu als Beispiel dienen: (http://www.facebook.com/group.php?gid=25472556971). Wie es hier schön zu sehen ist, veralten die Beiträge schnell. Es gibt Beispiele von Newsgroups, die Diskussionen beinhalten, die auch noch Jahre später interessant zu lesen sind. Dies ist allerdings nur sehr selten der Fall.


Unser Ansatz läßt sich deshalb wohl am besten als Prozeß der kleinen Schritte bezeichnen. Im Vorstand haben wir dazu vier Ziele für die Internetpräsenz gesetzt:

  • der Schutz der Zukunft
  • das Öffnen der Vergangenheit
  • die Vermeidung der Anonymität (Datum und Unterschrift)
  • die Möglichkeit zum Zugang des Inneren der Gesellschaft.

Konkret möchte ich einige aktuelle Fragen benennen. Wie können wir die Quellen zu Rosenstock-Huessy erreichbar machen? Wie kann eine Bibliotheksfunktion aufgebaut werden? Was ist die Rolle der Weitersagerbriefe, sind sie eingefrorene Dokumente oder Teil eines Gespräches? Die Internetpräsenz ersetzt nicht persönliche Begegnung, wie kann sie die letztere bereichern? Wie können Außenstehende Ansprechpartner innerhalb der Gesellschaft finden? Was ist die Chance der sozialen Netzwerke, wie sollten wir uns dazu stellen?

Feico Houweling hat 1996 mit einer Webpräsenz für die Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft begonnen. Danach ist sie von Otto Kroesen übernommen worden. In den letzten Jahren wurde sie von Lothar Mack und Marianne Hagmann betreut. Seit Ende letzten Jahres bin ich für den Internetauftritt verantwortlich.

Ich möchte Sie zu Gespräch und Rückmeldung einladen. Unseren Adresse lautet:
www.rosenstock-huessy.com

Jürgen Müller

6. Ein Wort zu den Reaktionen auf den Anhang zum letzten Rundbrief:
Ich freue mich, dass es gesellschaftsöffentliche Reaktionen gegeben hat von Frau Kohlbrugge und Herrn Gillhoff. Tiefe Gegensätze und radikale Anfragen sind darin sichtbar geworden. Inspirierend war und ist das Gespräch im Vorstand und mit Otto Kroesen, das diese Anfragen hervorgerufen haben.

Ich wünsche mir und der Gesellschaft dieses Gespräch – in Gegenwart mit Juden und Muslimen. Das haben wir doch von unserem Meister gelernt: Diese Gegenwart macht etwas mit unserem Sprechen und Handeln und Denken: Respondeo, etsi mutabor!

In dem angehängten Text – auch in hunderten Erwachsenenbildungsveranstaltungen methodisch verwandt - habe ich mein Denken datiert – ich habe Erfahrungen benannt, die mich neu orientieren. Noch deutlicher gesagt: Meine Liebe zu meiner Frau und ihre Liebe zu mir haben mein Leben und auch mein Denken verändert. Darin liegt auch meine Differenz zu Eugen begründet, der einmal zu Franz Rosenzweig sagte: „Genauso ist es richtig, dass Frömmigkeit Frömmigkeit bleibt und insofern sich bei Jud und Christ findet. Aber Hand aufs Herz - wir mögen sie ja beide nicht – bei den Muhammedanern nicht auch?“:“E.R. an F.R. 26.11.1916

Diese Liebe und jenes ‚Nichtmögen’ unterscheiden uns – und darin sehe ich die Grenzen in der Islamdeutung beider. Ich lebe als Christ in Gegenwart mit Muslimen. In dieser Gegenwart entdecke ich die zum Leben befreiende Kraft, die in Franzens Erfahrung 1913 ff mit Eugen entbunden wurde – allerdings in unserer Zeit, in der wir alle – wie wir von Eugen gelernt haben und alltäglich erfahren einander tatsächlich gegenwärtig sind, denn die Welt ist EINE. Genau in dieser Gegenwart erweist sich mir Eugens Sprechlehre und seine Soziologie seit mehr als 30 Jahren als not-wendend. Wir können von Eugen viel lernen – wir dürfen aber nicht Rosenstockianer werden – wir müssen selber sprechen- heute - liebend und hoffend und glaubend.

Thomas Dreessen

7. Gemeinsamer Dienst auf den Planeten (Ein Brief von Thomas Dreessen, Mitglied des Vorstands)

Sehr geehrte Mitglieder der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft!

Als Vorstandsmitglied freue ich mich ganz besonders, dass es gelungen ist, das Erbe Eugen Rosenstock-Huessys im interreligiösen Kontext fruchtbar werden zu lassen.

In meiner ehrenamtlichen Funktion als Vorsitzender des Kuratoriums des Zentralinstituts-Islam –Archiv-Deutschland Aminah Abdullah Stiftung in Soest/Westfalen, fand ich 2009 für den Gedanken eines gemeinsamen „Dienstes auf dem Planeten“ Interesse und Begeisterung bei Muslimen, Juden, Christen.

Das Soester Forum der Religionen und Kulturen 2010 dieses Kuratoriums beschloss einstimmig den Aufruf: Gemeinsamer Dienst auf dem Planeten. Weitere Unterstützer und Unterstützerinnen werden gesucht. In Kooperation mit der Initiative A Soul for Europe ist der Gemeinsame Dienst auf dem Planeten als Herzstück für not-wendig anerkannt.

Unsere gemeinsame Grundidee:
Wir leben in einer Welt – informationell und ökonomisch. Die Einheit des vielfältigen Menschengeschlechts fehlt aber noch – wir glauben noch keine gemeinsame Zukunft und sind deshalb unfähig zur Abkehr von den zerstörerischen Tendenzen unserer Zeit. Insbesondere Christen und Muslime, die beiden grössten Gemeinschaften auf dem Planeten leben noch getrennt.

In unserer globalen, multikulturellen, multireligiösen Gesellschaft benötigen wir eine Kultur der gegenseitigen Anerkennung, die durch ausdrücklich ins Leben gerufene gemeinsame Zeiten geschaffen werden kann. Solche Zeiten, in denen Menschen zusammen leben und arbeiten für das planetarische Gemeinwohl , die im Alltag der Gesellschaft sprach- und namenlos nebeneinander leben, sind not-wendig.

Drei Elemente zeichnen diese Zeiten aus: Gastfreundschaft – gemeinsamer not- wendender Dienst für das Leben auf diesem Planeten – Versöhnung unserer geschichtlichen Verwundungen.

Wir glauben, dass ein ausdrücklicher gemeinsam wahrgenommener Freiwilligendienst von Christen, Muslimen, Juden und anderen jungen Erwachsenen aus je unserer Gesellschaft dringend notwendig ist. Er muss getragen sein von dem Gebet und der Gastfreundschaft ihrer Gemeinden und Unterstützer, der öffentlichen Entsendung und den Beziehungen und dem Geld der jeweiligen Traditionen. Er benötigt die Unterstützung des Staates, der als Frucht Freundschaft und gemeinsame Bürgerschaft in der pluralen Gesellschaft erhalten wird.

Eine Zeit gemeinsam leben, eine not-wendige Arbeit für das Gemeinwohl tun, und darin Begegnung von Menschen gestalten. Daraus kann in Europa A Soul for Europe wachsen. Es wird ein Friedensdienst, vergleichbar dem deutsch-französischen Projekt in den 50ger Jahren, das mehr als 150 Jahre Feindschaft überwand.

Wir wollen den Jugendlichen solche Dienste ermöglichen a) im Sozialraum, b) national und c) international.
Wir entdeckten und kommunizieren verschiedene Wurzeln dieses Projektes

1. In den freiwilligen Arbeitslagern in den 20er Jahren des 20.Jahrhunderts erfuhren Adelige, Arbeiter, Bauern, evangelische und katholische und nicht-religiöse im gemeinsamen Dienst aus Entgegensetzung kommend gegenseitige Anerkennung. Sie begannen eine gemeinsame Zukunft zu glauben. In ihnen wurzelt der Kreisauer Kreis im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die freiwilligen Arbeitslager und der Kreisauer Kreis sind zutiefst verbunden mit den Namen Helmuth James und Freya von Moltke und Eugen Rosenstock-Huessy, dem Lehrer Moltkes. Eugen Rosenstock-Huessy wurde nicht müde, die Not-wendigkeit dieser ausdrücklich zu gestaltenden Gegenseitigkeit zu benennen: „Alle Weltweisheit gründet sich auf die gegenseitige namentliche Anerkennung und die gegenseitige persönliche Vorstellung derer, die aus ihr abwechselnd erkennbar werden.“(2) „Weil wir uns gegenseitig nennen, wird der einzelne wandlungsfähig. Der andere dringt in ihn ein.“(3) Sein Schüler Wolfgang Ullmann - nannte die Aufgabe später die Ganzheit der Gesellschaft wieder herstellen. Er war Initiator der Runden Tische in der DDR. Als Bundestags- und Europaabgeordneter führte er diese Traditionen in die deutsche und europäische Politik ein.

2 Zurück in das Wagnis der Sprache 14
3 a.a.O. 32


2. Die Positionierung des Ökumenischen Rates der Kirchen 2006 auf der Weltversammlung in Porto Allegre, der die gemeinsame Wahrnehmung von Verantwortung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung insbesondere für die grossen Religionsgemeinschaften als Aufgabe formuliert.

3. Der Offene Brief der 138 Islamischen Gelehrten „an Papst Benedikt und die ganze Christenheit“ ( www.acommonword.com), der 2007 zu einem gemeinsamen Wort von Christen und Muslimen (Sure 3:64) aufruft in Verantwortung für unseren Planeten und die Zukunft des Lebens.

4. Das Projekt Grünhelme, initiiert von Rupert Neudeck und dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Ayman Mazyek. www.gruenhelme.de

5. Die Initiativen der Tariqa Alawiyya und ihres Sheikhs Khaled Bentounes aus Algerien und Frankreich zu einer „Wir-Kultur, die alle Menschen zusammenbringt in gemeinsamer Verantwortung für das Leben auf unserem gefährdeten Planeten“. www.aisa.de . Dies ist eine beeindruckende weltweite Kraft geworden, von der ich mich persönlich überzeugen konnte. Deren beispielhaftes Projekt Super-Potager ist sehr verwandt dem Projekt von Marc Feedman in Rio Limpio. Die Scout musulmane Francaise sind in der in diesem Geiste Jugendliche aus den Banlieus von Paris zu gewinnen und Jugendliche von Syrien bis Marokko und Europa zu vereinen.

6. Das Memorandum zum 60.Jahrestag des Grundgesetzes 2009: Eine Initiative des vormaligen Integrationsbeauftragten des Landes NRW, Dr. Klaus Lefringhausen, das der Erschaffung einer Kultur der gegenseitigen Anerkennung in der BRD gewidmet ist. (Interessierten sende ich den Text gerne zu/ t.dreessen (at) gmx.net)

7. Die Frage der nachhaltigen Gestaltung des gemeinsamen Lebens in der pluralen und multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft wird in den Jugendverbänden in Deutschland und Europa seit einigen Jahren erkannt und gestaltet. (vgl. www.eyce.org die Kampagne mit Muslimen gegen Fundamentalismus und die aktuelle Kampagne zum Klimawandel). Sie wird auch von der neuen EKD Schrift zur einwanderungspolitischen Debatte (EKD Texte 108) anerkannt. Sie ist eine der Herausforderungen der Kampagne Zukunftsfähiges Deutschland. www.zukunftsfaehiges-deutschland.de, die der BUND, Brot für die Welt und die Arbeitsgemeinschaft evangelischer Jugend AEJ gemeinsam gestartet haben. Die evangelische Jugend in Westfalen hat auf diese Herausforderung geantwortet und sieht es als eine der Zukunftsaufgaben, Jugendlichen zu ermöglichen, sich verantwortlich zu beteiligen in interkultureller und interreligiöser Kooperation an der Bewahrung der Schöpfung sowie der Stärkung von Gerechtigkeit und Frieden (Handreichung Zukunftsfähigkeit)

Sie sind herzlich eingeladen sich an dem Aufruf zu beteiligen. Sie finden den Aufruf im Facebook unter dem Stichwort: „Bioniks“ oder auf der Seite der Initiative DINO- Münster (Deutsche Initiative Nahost) . www.dino-muenster.de Stichwort: Soester Forum der Religionen und Kulturen. Gerne sende ich Ihnen den Aufruf zu.

Thomas Dreessen

4 Handreichung der EkvW 2009: Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sichern – Die Zukunftsfähigkeit der Kirche stärken.

8. Mitgliederbeitrag 2011

Die „Selbstzahler“ unter den Mitgliedern werden gebeten, den Jahresbeitrag in Höhe von 40 Euro (Einzelpersonen) auf das Konto Nr. 6430029 bei Sparkasse Bielefeld (BLZ 48050161) zu überweisen.

Trotz Einführung des einheitlichen Zahlungssystem SEPA mit der Internationalen
Kontonummer (IBAN): DE43 4805 0161 0006 4300 29
SWIFT-BIC: SPBIDE3BXXX.
kann für Inlandsüberweisungen die bisherige Kontoverbindung weiterhin verwendet werden.

Die Lastschrift-Abbuchung des Beitrags 2010 ist im Dezember 2010 erfolgt.

Für Mitglieder in den Niederlanden steht das Kontonummer Girorekening 1877673, Mevrouw W.A.Verhage inzake Eugen Rosenstock-Huessy Genootschap zur Verfügung

Andreas Schreck / Wilmy Verhage


9. Adressenänderungen
Bitte schreiben sie eine eventuelle Adressenänderung schriftlich oder per E-mail an Wilmy Verhage (s. u.), sie führt die Adressenliste. Alle Mitglieder und Korrespondenten, die diesen Brief mit den gewöhnlicher (Schnecken-) Post bekommen, möchten wir bitten uns ihre Email- Adresse mitzuteilen.

Wilmy Verhage

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