Rundbrief Oktober 2009

 

Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft e.V.

 

„Indem heut die Älteren den Jüngeren statt gelebten Friedens

die bitteren geistigen Erkenntnisse des verfehlten Friedens anbieten,

stiften sie einen neuen Bund, ein neues Gefälle,

und zwar diesmal zwischen den Generationen,

damit wieder das Unmögliche, das nächste Unmögliche, geschehe.“

 

Eugen Rosenstock-Huessy, Soziologie Band 1, Seite 259, Ed. 1956

 

 

Oktoberbrief an die Mitglieder 4/2009

1. Mitteilungen aus der Vorstandsarbeit

Eckart Wilkens

2. Rudolf Hermeier †

Eckart Wilkens / Andreas Möckel

3. Erscheinen der Soziologie bei Talheimer

Eckart Wilkens

4. Tagung in Salem Bethel/Bielefeld
26.-28. März 2010: «Das Gesetz der Technik»


Eckart Wilkens

5. Mitgliederbeitrag

Andreas Schreck / Wilmy Verhage

6. Adressänderungen Wilmy Verhage


1. Mitteilungen aus der Vorstandsarbeit

 

a) Der Vorstand ist vornehmlich mit der Vorbereitung der nächsten Jahrestagung beschäftigt. Im Mai haben wir lange gerungen, das richtige Thema zu finden: Das Gesetz der Technik. Im September haben wir angefangen, auf die Gestaltung zuzugehen.

 

b) Weil die Erörterungen um die Herausgabe der Soziologie an den Tag gebracht haben, daß es bisher keine verläßlich erarbeiteten Kriterien für die Neuherausgabe von Werken Rosenstock-Huessys gibt und solche auch nicht schon gewirkt haben, ohne ausgesprochen zu sein, gehen wir daran, mithilfe des ersten Buches, mit dem Eugen Rosenstock-Huessy für sein ganzes Leben eine Säule gesetzt hat: Dahinter nicht mehr zurück! – nämlich der «Hochzeit des Krieges und der Revolution von 1920» solche Kriterien zu erarbeiten: wie muß der Text sein, welche Erläuterungen sind notwendig, wie sind Register zu erarbeiten oder zu ergänzen, in welcher Form treten Zusätze der Herausgeber auf – und was für Fragen sonst noch sind. Das ist ein weithin reichendes Vorhaben, für das wir später gern Ihr Mitdenken und, wenn möglich, Ihre Mitarbeit erbitten. Ich habe den Text des Buches abgeschrieben, so daß er elektronisch zur Verfügung steht.

 

c) Wir haben dann über die Antworten gesprochen, die auf unsere Anfrage von der Rosenzweig-, der Ehrenberg-, der Buber-Gesellschaft und von Siegfried Kleymann für Wittig gekommen sind. In einem weiteren Brief, den wir vorbereiten, möchten wir sie an den Überlegungen beteiligen, die wir zu einer gemeinsamen «Kreatur»-Tagung angestellt haben.

 

d) Der nächste «Stimmstein» ist weitgehend vorbereitet, auch mit der Mitarbeit von Rudolf Hermeier, den wir nun entbehren müssen.

 

e) Das Projekt «Weitersager Mensch», das wir gestartet hatten, um die Rosenstock-Huessy-Gesellschaft aus der Betäubung durch den Streit um die Soziologie-Edition zu wecken, betrachten wir jetzt als abgeschlossen. Daß damit nicht gesagt ist, daß wir nicht weiter zu der Bestimmung Weitersager Mensch gerufen sind, versteht sich hoffentlich von selbst.

 

f) Wir sind entschlossen, das Bücher-Depot bei Wilfried Gärtner, soweit es der Gesellschaft gehört, aufzulösen und die Bücher anderswo zugänglich zu halten: Argo Book Deutschland existiert praktisch nicht mehr.

 

g) Stark beschäftigt hat uns die Frage, die durch die Anwendung der Gleichungen in der Schrift «Der unbezahlbare Mensch» durch Otto Kroesen aufgeworfen ist. Er ordnet die Gleichungen den vier Armen des Kreuzes so zu: 3=1 außen, 1=1 vorwärts, 2=1 innen, ∞=1 rückwärts, während ich meine, die Zuordnung ergebe sich aus dem Text so: 2=1 vorwärts, ∞=1 innen, 3=1 rückwärts, 1=1 außen. Auch an der Lösung dieser Frage würden wir gern die Mitglieder beteiligen.

 

h) Auf die Frage von Andreas Schreck, was wir denn sagen könnten, um unsere Gemeinnützigkeit auszudrücken, sind wir vorläufig zu dem Satz gekommen: Die Zeitdifferenz, die dadurch entstanden ist, daß Eugen Rosenstock-Huessy bereits 1916-1919 die Tragweite des deutschen Zusammenbruchs ermessen und für sein ganzes weiteres Leben als Maßstab hat gelten lassen, wollen wir so lange überbrücken, bis die von ihm (und anderen) gelebte Einsicht zur Selbstverständlichkeit geworden ist und das Kräfteverhältnis von Kirche und Staat, Kunst und Wissenschaft sich in diesem Sinne verschoben hat: die Tochter Gesellschaft als Trägerin von allen vieren in gewandelter Gestalt. Dieser Dienst des Wachens ist sicher unscheinbar und – äußerlich gesehen – erfolglos, aber doch notwendig und schon in kleinster Weise wirksam.


Eckart Wilkens



2. Rudolf Hermeier


Mit Psalm 91,11: "Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen" zeigte Inge Hermeier aus Dreieich-Offenthal nach der Beerdigung am 11. August 2009 an, daß ihr Mann Rudolf Hermeier, geboren am 1. 12. 1929, am 4. August diesen Jahres verstorben ist. Andreas Möckel in meinem ausdrücklichen Auftrag für die Gesellschaft und Gottfried Hofmann waren bei der Beerdigung anwesend. Das Wirken Rudolf Hermeiers in der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft ist jedem von uns markant vor Augen, wir werden lange brauchen, um ihm zu danken. Andreas Möckel fand dafür bei der Beerdigung die Worte, die ich hierher setze:

 

Nachruf für Dr. Rudolf Hermeier am 11. August 2009 von Andreas Möckel

 

„Ich habe Rudolf Hermeier über die Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft kennengelernt. Die erste Begegnung war in Offenthal, Rudolf Hermeier hatte ganz in eigener Regie und ins eigene Haus eingeladen. Später trafen wir uns oft nicht nur auf Tagungen der Gesellschaft. Er war immer sehr bestimmt, er selbst, immer mit einer klaren und entschiedenen Ansicht.

 

Ich möchte ein Wort des Dankes sagen, auch im Namen der Freunde um Eugen Rosenstock-Huessys, die es in und außerhalb der Gesellschaft gibt. Zunächst danke ich für seine selbstlose Unermüdlichkeit und Beharrlichkeit. Sie spiegelt ein lebenslanges Ringen, dessen Grund – wie ich meine – in der christlichen Tradition liegt.

 

Seiner ersten Publikation stellte er eine Anmerkung von Franz Rosenzweig voran, die – wie ich meine – viel über Rudolf selbst aussagt. „Aber wie wir der Grenzen unseres Wissens zu achten haben, so auch, und nicht minder, der Grenzen unseres Nichtwissens. Jenseits all unsres Wissens wohnt Gott. Aber ehe unser Nichtwissen anfängt, schenkt sich dir, deinem Anruf, deinem Aufstieg, deiner Bereitschaft, deiner Schau, deinem Leben – dein Gott.“ [Franz Rosenzweig: Jehuda Halevi, 95 Hymnen und Gedichte. The Hague 1983, S. 57f]

 

Er war unermüdlich als Sammler und Herausgeber von Schriften Eugen Rosenstock-Huessys und der seiner Freunde; er war unermüdlich im Stiften von Beziehungen, wobei er weite Reisen und finanzielle Opfer auf sich nahm; er war unermüdlich in der Organisation von Tagungen, denen ausgedehnte Briefwechsel mit Referenten und Sponsoren vorausgingen und nachfolgten; er war unermüdlich im Schreiben von Aufsätzen zu Fragen, die ihm keine Ruhe ließen; er war unermüdlich im Verfassen von Zuschriften zu politischen Zeitungsartikeln, von denen er meinte, sie dürften im öffentlichen Interesse nicht einfach hingenommen werden.

 

Er ließ sich von großen Namen nicht imponieren.

 

Ich will sodann danken für seine Großzügigkeit, mit der er von seinen Entdeckungen andern mitteilte, zum Beispiel seltene Tonbandaufnahmen, die er sich aus Funkhäusern hatte kommen lassen und die er anderen zuschickte. Er behandelte sie wie einen Schatz, der sich durch Weitergabe vermehrt.

 

Ich möchte schließlich danken für seinen Mut, mit dem er für eine Sache eintrat. Er scheute Konfrontationen nicht. Man wusste, woran man mit ihm war. Seine Freude an der Arbeit und am Eintreten für seine Sache brauchte keine Anerkennung von außen, sondern kam aus ihm selbst. Daher konnte er freigiebig und immer im Dienst der Sache damit umgehen.

 

Beharrlich, großzügig, mutig, offen – so wird er mir in Erinnerung bleiben.“

 

Wir haben Gottfried Hofmann gebeten, im Gedenken an Rudolf Hermeier eine Liste aller derer aufzustellen, die jemals in der Rosenstock-Huessy-Gesellschaft gewesen sind, um so ein lebendiges Gedächtnis zu errichten, indem wir dann alle mit unserer Erinnerung beitragen, der Gesellschaft mithilfe des Gedenkens eine Zukunft zu öffnen.


Eckart Wilkens



3. Erscheinen der Soziologie bei Talheimer

 

Nachdem die Neuedition der Soziologie von Eugen Rosenstock-Huessy erstmals für das Jahr 1995 vom Talheimer Verlag, Mössingen-Talheim, angekündigt war, ist sie nun vierzehn Jahre später im September dieses Jahres erfolgt.

Das Buch heißt: Im Kreuz der Wirklichkeit. Eine nach-goethische Soziologie und ist in drei Bände gegliedert, (Bd. I 552 S., Bd. II 576 S., Bd. III 836 S.), kt., 138,00 € oder als Studienausgabe in drei Bänden broschur zum Preis von 85,00 €, ISBN 978-3-89376-065-7 [ISBN 3-89376-065-3]. Der Umfang des Gesamtwerks ist gegenüber der Ausgabe 1956/1958 durch Anmerkungen (als Endnoten) um etwa 230 und durch Register um weitere ca. 420 Seiten erweitert.

 

So kann nun jedes Mitglied der Rosenstock-Huessy Gesellschaft sich selber ein Bild davon machen, was Intention und Leistung der Herausgeber Michael Gormann-Thelen, Ruth Mautner und Lise van der Molen sind.

 

Eckart Wilkens

 

 

4. Nächste Tagung am 26.-28. März 2010 im Haus Salem, Bethel/Bielefeld: "Das Gesetz der Technik"

 

Die globale Finanzkrise regt dazu an, über Wachstum und Gedeihen nachzudenken. Das Gesetz der Technik, wie es Eugen Rosenstock-Huessy formuliert hat (Soziologie Band I, 1956, Exkurs: Das Gesetz der Technik, S. 80), setzt uns vielleicht instand, genauer über das Kostengesetz der Gesellschaft nachzudenken: Was kostet das Wachstum, das als Heilmittel der Krise fast überall (nicht überall) beschworen wird?

 

Es lautet: "Der technische Fortschritt vergrößert den Raum, verkürzt die Zeit und zerschlägt menschliche Gruppen."

 

Schon jetzt können wir sagen, daß Ihre Beteiligung mit den eigenen Erfahrungen dazu für das Gelingen der Tagung wichtig ist. Einführungsvortrag am Freitagabend, die Gestaltung des Samstags ist noch offen, Sonntag Andacht und Abschluß, dann Mitgliederversammlung 2010.

 

Eckart Wilkens

 

 

5. Mitgliederbeitrag 2009

 

Die „Selbstzahler“ unter den Mitgliedern werden gebeten, den Jahresbeitrag in Höhe von 40 Euro (Einzelpersonen) auf das Konto Nr. 6430029 bei Sparkasse Bielefeld (BLZ 48050161) zu überweisen.

 

Trotz Einführung des einheitlichen Zahlungssystem SEPA mit der Internationalen Kontonummer (IBAN): DE43 4805 0161 0006 4300 29, SWIFT-BIC: SPBIDE3BXXX, kann für Inlandsüberweisungen die bisherige Kontoverbindung weiterhin verwendet werden. Die Lastschrift-Abbuchung des Beitrags 2009 ist Ende September/Anfang Oktober 2009 erfolgt.

 

Für Mitglieder in den Niederlanden steht das Kontonummer Girorekening 1877673, Mevrouw W.A.Verhage inzake Eugen Rosenstock-Huessy Genootschap, zur Verfügung.

 

Andreas Schreck / Wilmy Verhage

 

 

6. Adressänderungen

 

Bitte schreiben Sie eine eventuelle Adressänderung schriftlich oder per E-Mail an Wilmy Verhage, da sie die Adressenliste betreut.

 


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