Rundbrief Februar 2012

 

Rundbrief in Auszügen

 

Wo aber Gott gegenwärtig ist, da hören die abstrakten zeitlosen Wahrheiten auf.

Und wo das Abstrakte aufhört, da fängt eben die Schuldvergebung an.
Im Angesichte Gottes wird die Schuld glückhaft.

Denn er kommt.

Eugen Rosenstock-Huessy, Die Sprache des Menschengeschlechts Band 1,

Glückhafte Schuld, Seite 255

 

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1. Einleitende Worte

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Der dreizehnte Stimmstein ist erschienen – es kommt mir wie ein Wunder vor, daß auf diese Weise die fundierte Kritik des Vorstands an der Edition des Talheimer Verlages noch rechtzeitig öffentlich, von Fritz Herrenbrück erarbeitet und formuliert, erschienen ist. Darauf kamen verschiedene Stimmen, deutlich und laut aber die der Kritik daran, daß ich – und speziell ich – mir angemaßt hätte, nunmehr das Ende des Stimmsteins zu verkünden, so als hätte ich Marthe Rulls Aufforderung gehört: Möcht ihn auch tot im Wochenblättchen lesen. Dabei meine ich dies im Sinne des Gehorsams auf die Lebendigkeit der Epochen. Und daß mit Freya von Moltkes Sterben am 1. Januar 2010 die Epoche nach Eugen Rosenstock-Huessys Tod 1973 zuendegegangen ist, ist gesagt, damit wir um so genauer die darauf folgende Epoche anheben können! Ich meine, daß für alle wahrzunehmen war, daß die Stimmsteine mehr und mehr zur Pflichtübung wurden, gar nicht mehr mit einigem Feuer erwartet, wohlgemerkt von den Mitgliedern der Gesellschaft, und daß das Vorhaben, ein Publikationsorgan im Sinne dessen zu schaffen, was Eugen Rosenstock-Huessy für Nachkriegsdeutschland als deutliche Stimme vorgeschwebt haben mag, gerade diese Öffentlichkeit nicht erreicht hat.

Die Verständigung über den Atlantik hin – der Übererdteilsweg, wie Eugen es in einem Gedicht an Freya genannt hat – ist bitter notwendig geworden, und dazu gehört die Einsicht, daß solches Verstehen nicht einfach dadurch schon geleistet ist, daß man dreisprachig druckt. Denn dabei lesen doch die Anderssprachigen das, was sie am meisten angeht, gerade nicht.

Ich hoffe, daß die nächste Jahrestagung in Bethel an Palmarum diesen Jahres uns Zeit geben wird, all diese Fragen mit dem neuen Atem ohne Geld und – so hoffe ich – mit Symblysma zu bedenken.

Eckart Wilkens

2. Programm der nächsten Tagung in Haus Salem Bethel/Bielefeld 30 März. - 1 April 2012

Thema: Arbeitslosigkeit

Was geschieht mit einer (Mensch oder Gruppe) der vom einen zum anderen Moment entlassen ist von die bisherigen Verpflichtungen? Der nicht mehr mitmachen kann oder darf? Was geschieht in dieser leergewordenen, freigewordenen Zeit? Auf eigenen Art und Weise ist das unserer Gesellschaft selber passiert, jedenfalls wir als Vorstand haben das so wahrgenommen. Also schien es uns eine gute Idee, die Gestalt der Arbeitslosigkeit in ihrer Fülle (auch der Ruhestand gehört dazu, und abdanken in der Politik, und sogar als Vater und Mutter muss man einmal zurücktreten), und was Rosenstock-Huessy dazu zu sagen hat, zusammen zu erhellen. Anhand des folgenden Textes:.

Friedensbedingungen einer Weltwirtschaft1 Eugen Rosenstock-Huessy, Juli 1958.

Arbeitslosigkeit, wie auch immer, gezwungen oder freiwillig, ist sie nicht die Gebärmutter der Erneuerung?

Freitag, 30. März 2012

16-18 Uhr Ankunft
18 Uhr Abendessen
19. 30 Uhr Vom Töchterlich werden der Gesellschaft (Thomas Dreessen)

Samstag, 31. März 2012

8:30 Uhr   Frühstück
9:30 Uhr   Von der Not derer, der nicht lehren dürfen, (Jürgen Müller)
11:00 Uhr Pause
11:15 Uhr Die Erinnerung an die zwei nachchristliche Jahrtausende (Andreas Schreck)
13:00 Uhr Mittagessen

15:00 Uhr Von Mönch, Künstler und Ingenieur (Wilmy Verhage)
17:00 Uhr Pause
18:00 Uhr Abendessen

19:30 Uhr Mitgliederversammlung der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft e. V 2012

Sonntag, 1. April 2012

7:30 Uhr  Andacht in der Kapelle
8:30 Uhr Frühstück
9:30 Uhr Von Lebensbaum der Menschheit (Eckart Wilkens)

11.00 Uhr Pause
11.15 Uhr Gemeinsames Gespräch (Eckart Wilkens)

13.00 Uhr Mittagessen
13.30 Uhr Abschied

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4. Nachruf Karl Heinz Potthast 26.8.1924 – 13.10.2011

Karl Heinz Potthast, mein ehemaliger Lehrer, wurde mir in den letzten Jahren mehr und mehr zum Freund und Gesprächspartner. Von 1956 bis 1959 war er mein Religionslehrer, der mit einem vielseitigen, anregenden Unterricht in die damalige aktuelle Theologie einführte. Dabei war er ein junger, dynamischer Lehrer, den zudem ein bisschen der Nimbus des Kriegshelden umgab. Ich kann sagen, dass er in seiner offenen und sachlichen, strengen und doch freundlichen Art nicht wenig dazu beigetragen hat, dass ich Lehrer geworden bin. In einer schwierigen Situation meines Studiums habe ich ihn aufgesucht und fand Rat und Hilfe bei ihm. Gern wäre ich 1968 in unruhiger Zeit an seine Schule in Sennestadt gegangen, weil ich spürte, dass diese Schule in einer Kontinuität zur Aufbauschule stand und dass man dort der jungen Generation gegenüber aufgeschlossener war als anderswo, aber das war mir damals als Realschullehrer leider nicht möglich. Als ich 1978 nach Georg Müllers Tod Verantwortung für das Eugen Rosenstock- Huessy Archiv in Bethel übernehmen musste, stand er mir treu zur Seite und half mit seinen engen Beziehungen zu den Bodelschwingh'schen Anstalten. Er hatte sich zwar damals schon ziemlich aus der Gesellschaft zurückgezogen, dennoch suchte er in den folgenden Jahren immer wieder das Gespräch mit mir, um über den Stand der Dinge in der Gesellschaft informiert zu werden. Auch mit unserem Schulkameraden Rudolf Hermeier hielt er engen Kontakt. Im Wintersemester 2002/2003 saßen Karl Heinz und ich im Kolloquium des Bielefelder Philosophieprofessors Jürgen Frese über Eugen Rosenstock-Huessy, und diese unsere Vergleichzeitigung trug wohl dazu bei, dass er mir das freundschaftliche Du anbot. In den letzten Jahren habe ich ihn und seine Frau immer wieder besucht. Er war wegen der zunehmenden Sehschwäche seiner Frau weitgehend ans Haus gebunden, kümmerte sich intensiv um sie und ließ sie ungern allein.

Er wuchs in einem kleinen ostwestfälischen Dorf als ältester Sohn eines Bahnbeamten und kleinen Landwirts unter 4 Geschwistern auf, ging nach der Volksschule zur Mittelschule, war HJ- Führer und besuchte dann drei Jahre die Aufbauschule Georg Müllers in Bethel. 1942, nach dem Kriegsabitur, wurde er zur Kriegsmarine eingezogen, als Schnellbootfahrer ausgebildet, bis er sich 1944 zur Ausbildung als „Torpedoreiter“ in einem Einmann-U-Boot meldete. Er kam noch 1944 in Italien und in der Normandie zum Einsatz, geriet zu seinem Glück schon im Juli 1944 in englische Kriegsgefangenschaft, wo er den emigrierten evangelischen deutschen Pfarrer Hans Ehrenberg kennen lernte, der im Auftrag der Anglikanischen Kirche deutsche Gefangene betreute. Ende 1945 entlassen, machte er 1946 Abitur und begann seine Studien in Heidelberg und Göttingen. Von 1952 bis 1962 war er Lehrer für Deutsch, Geschichte, evangelische Religion und Philosophie an Georg Müllers Schule in Bethel.1962 übernahm er als Gründungsdirektor die Hans-Ehrenberg-Schule in Sennestadt, ein evangelisches Gymnasium der Landeskirche von Westfalen.1981 wurde er zum Landeskirchenrat des Ressorts „Schule und Bildung“ seiner Landeskirche berufen, erhielt 1985 das Bundesverdienstkreuz und ging 1989 in den Ruhestand. Er wurde bekannt mit der Mitinhaberin einer großen westdeutschen Brauerei, Barbara Lambrecht-Schadeberg, die 1993 die „Barbara-Schadeberg-Stiftung zur Förderung evangelischer Schulen“ gründete. Karl Heinz Potthast war bis 2002 Vorsitzender dieser Stiftung und half mit bei der Gründung von ca. 40 evangelischen Schulen in der ehemaligen DDR, in Riga und Wien, in Tschechien, Polen und der Slowakei.
Er war in vielen Gremien tätig, u.a. in der Arbeitsgemeinschaft evangelischer Schulbünde, im Comenius-Institut der EKD in Münster. Er war Mitglied der Synode der EKD, Vorsitzender in der Kammer der EKD für Bildung und Erziehung. Er galt als Leitfigur des evangelischen Schulwesens in der Bundesrepublik.
1985 erschien von ihm eine Aufsatzsammlung: „Das Miteinander in der Schule. Vorschläge für eine christliche Erziehung“. Am Ende findet sich dort eine Bibliographie seiner zahlreichen pädagogischen Schriften.

2004 wurde ihm zum 80. Geburtstag eine Festschrift überreicht:„Verantwortung in Schule und Kirche in geschichtlichen Umbrüchen“.
Seit 1947 war er verheiratet mit Margarete Potthast, hatte drei Kinder, Joachim, Barbara und Thomas, vier Enkelkinder und einen Urenkel.

Schon 1950 in Göttingen als Student hatte Karl Heinz Potthast Eugen Rosenstock-Huessy kennen gelernt, als er dessen berühmte Rede über das Geheimnis der Universität hörte. In den fünfziger Jahren dann war er enger Vertrauter seines ehemaligen Lehrers und damaligen Schulleiters Georg Müller. Dessen entschiedene Hinwendung zu Eugen Rosenstock-Huessy begleitete er nicht nur im wissenschaftlichen Sinne, sondern ganz praktisch, indem er sich mit seinem Volkswagen jederzeit zur Verfügung stellte, wenn es galt, Rosenstock Huessy zu treffen, denn Georg Müller hatte weder Auto noch Führerschein. Einmal fuhr Karl Heinz Potthast eine Woche lang mit Rosenstock- Huessy quer durch Deutschland, sie besuchten unter anderen Anca Wittig in Meschede. Er nahm an den Arbeitsgemeinschaften teil, die Georg Müller über Rosenstock-Huessy mit Lehrern, Ärzten Theologen in Bethel durchführte und betätigte sich dabei als Georg Müllers Sekretär. Selbstverständlich war er 1963 Gründungsmitglied der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft und dann jahrelang im Vorstand Schriftführer, auch als er selbst als Schulleiter nicht mehr in unmittelbarer Nähe Georg Müllers arbeitete. Er hielt guten Kontakt zu den Jüngeren in der Gesellschaft, zu Kurt Ballerstedt, Wim Leenman, Clint Gardener, Konrad Thomas. 1969 war er dabei, als Eugen seinem Freund Georg in Heidelberg den legendären „Breslauer Koffer“ übergab. Erst nach Eugen Rosenstock-Huessys Tod 1973 zog er sich zugunsten von Dietmar Kamper aus dem Vorstand zurück. Einen polemischen Brief von Eckart Wilkens nach Erscheinen der 20./21. Folge der Mitteilungen, Frühjahr 1974, ließ er unbeantwortet, nahm an Tagungen nicht mehr teil, verweigerte sich aber nie, wenn er aufgefordert wurde, bei Tagungen zu sprechen, so 1983 in Sennestadt mit Erinnerungen an Hans Ehrenberg oder 1988 in Bethel zum 25. Jahrestag über die Gründung der Gesellschaft. Zum 40. Jubiläum unserer Gesellschaft veröffentlichte er auf Bitte von Andreas Möckel in den Mitteilungsblättern 2003 einen Aufsatz über die Gesellschaft: „Namentlichkeit statt Personenkult“. Sein Freund Karl Ernst Nipkow hielt bei dieser Jubiläumstagung in Bethel den Festvortrag.

Karl Heinz und auch Georg Müller haben mir erzählt, was Eugen Rosenstock-Huessy einmal zu Karl Heinz sagte: „Solange Sie Ihre theologischen Eierschalen hinter den Ohren haben, werden Sie mich nicht verstehen!“ Das klingt böse, aber Karl Heinz hat, gehalten durch seine gründliche theologische Ausbildung und seine lebenslange Bindung an seine Landeskirche, Eugen Rosenstock-Huessys herbe Kritik an Theologie und Kirche nicht einfach übernehmen können; sein Beharren auf akademischer Wissenschaftlichkeit ließ ihn beispielsweise ein „Christentum incognito im 3. Jahrtausend“ oder die "Sprache des Menschengeschlechts" als Zukunftshoffnung nur schwer vorstellen. Dennoch hat er ganz in Rosenstock-Huessys Geist mutig einen solchen singulären Menschen wie Hans Ehrenberg durch die Namensgebung seiner Schule geehrt und vergegenwärtigt, wofür ihn Rosenstock-Huessy im Gespräch ausdrücklich gelobt hat.

Er hat in seiner pädagogischen Grundhaltung zu verwirklichen gesucht, was Eugen Rosenstock- Huessy in dieser Hinsicht lehrte: Zeithingabe als Lehrertugend, Unterricht und Schule als Gespräch zwischen den Generationen. So kann Karl Heinz Potthast in seinem Buch "Das Miteinander in der Schule, Gütersloh 1981, S. 63 f" sagen: „Das Problem der Erziehung und der modernen Welt liegt darin, dass sie der Natur der Sache nach weder auf Autorität noch auf Tradition verzichten kann, obwohl sie in einer Welt vonstatten geht, die weder durch Autorität strukturiert noch durch Tradition gehalten ist. In dieser Situation müssen Christen wieder ganz einfach fragen, wie es eigentlich Jesus mit der Erziehung hielt. Ich für meine Person bin durch alle theologischen Reflexionen hindurch an dieser Frage wieder angelangt: Plante Jesus eigentlich ein Bild-Soll des Menschen, das die Erziehung dann mit Hilfe von Zwang oder Lust umsetzen

muss?“ Und wie Jesus, wenn er einen Menschen erziehen wolle, sich nicht ein Bild des Menschen mache, das sie als Zöllner und Sünder auf ihre Vergangenheit, oder wie beim reichen Jüngling auf eine bestimmte Zukunft festlege, so solle auch Förderung das Leitbild der Erziehung sein. Und er fährt fort;; „Für Menschen um Jesus gab es weder eine leere noch eine perfekte Zukunft. Erziehung von Christus her sollte darum bereit sein, voller Hoffnung an Entwürfe zu gehen, aber diese Entwürfe sich dann je und je durch Besinnung auf das Evangelium aus der Hand schlagen zu lassen, wenn es denn sein muss. Die hochgemuten oder die verzweifelten Bildermacher unter den Pädagogen legen ihre Zöglinge auf die Vergangenheit fest. Die perfekten Entwerfer irgendeiner Zukunft für unsere Kinder greifen in diese unverfügbare Zukunft des Menschen hinein.“

Gottfried Hofmann

5. Rosenstock-Huessy Bild Archiv

Im Internet findet sich jetzt ein experimentelles Bildarchiv mit Bildern von Eugen Rosenstock- Huessy, seiner Familie, Freunde und Anderer. Es gibt noch nicht viele Bilder. Deswegen rufen wir alle auf, wenn Sie Bilder haben, diese zu schicken.

Die vorläufige Adresse des Archivs:
http://www.hoorgeschiedenis.nl/Rosenstock-Huessy-photos/
Bilder können geschickt werden an: erh-photo[at]xs4all.nl

Koordinator des Archiv ist, ebenso vorläufig, Feico Houweling, dazu gebeten von der Eugen Rosenstock-Huessy Society in Amerika. Bald werden auch neue Bilder aus den USA hinzugefügt werden. Wenn genügend Bilder gesammelt sind, wird daraus eine professionellere Website gemacht.

Dabei wird auch die Privatsphäre der Beteiligten in Betrachtung genommen, also nicht alle Bilder werden einfach ins Internet gesetzt. Lieber keine Bilder von noch lebenden Personen, es sei denn, sie haben ausdrücklich ihre Zustimmung gegeben. Und es wäre hilfreich, wenn Sie einige Daten anfügten, zum Beispiel wo und wann das Bild gemacht worden ist und welche Personen gezeigt werden. Schauen Sie mal nach was schon da ist, das gibt eine Idee.

Feico Houweling

 

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